Zwei Raumschiffe, ein paar hundert Meter Abstand, Laserstrahlen zischen, Explosionen donnern. So sehen Weltraumschlachten im Kino aus, seit George Lucas die Luftkämpfe des Zweiten Weltkriegs ins All verlegt hat.
Als Kino funktioniert das hervorragend. Mit Physik hat es wenig zu tun.
Ein echtes Gefecht im All wäre still, weiträumig und über lange Strecken langweilig. Bis auf die wenigen Sekunden, in denen es entschieden wird. Und ein paar Kostproben davon hat es tatsächlich schon gegeben.
Kein Ton, kein Feuerball, keine Kurven
Im Vakuum gibt es kein Medium, das Schall trägt. Ein Treffer auf der Außenhülle ist draußen lautlos, drinnen hört man allenfalls, was durch die Struktur läuft. Oder das Zischen, wenn die Luft entweicht.
Auch der Feuerball fällt aus. Ohne Atmosphäre fehlt der Sauerstoff, und es fehlt die Luft, die eine Druckwelle weitertragen könnte. Was von einer Explosion bleibt, ist ein kurzer Blitz und eine Wolke aus Trümmern, die mit der Geschwindigkeit des Schiffs weiterfliegen. Das ist die eigentliche Gefahr.
Und Bankkurven wie bei einem X-Wing ergeben ohne Luft und Tragflächen keinen Sinn. Ein Raumschiff kann sich drehen, ohne seine Bahn zu ändern, rückwärts fliegen und dabei nach vorn feuern. Richtung und Ausrichtung sind zwei getrennte Dinge. Orson Scott Card hat daraus in Ender’s Game eine ganze Taktiklehre gemacht. »Das Tor des Feindes ist unten«, sagt Ender, und unten ist schlicht dort, wo er es definiert.
Schnell und quälend langsam zugleich
Weltraumgefechte hätten ein seltsames Tempo. Die Geschwindigkeiten sind gewaltig, die Entfernungen aber auch. Ein Geschoss mit zehn Kilometern pro Sekunde braucht für 10.000 Kilometer immer noch knapp 17 Minuten. Genug Zeit für das Ziel, ein wenig zur Seite zu rücken.
Selbst Licht ist nicht mehr instantan. Auf 100.000 Kilometer braucht ein Signal eine Drittelsekunde, hin und zurück das Doppelte. Wer auf diese Entfernung zielt, zielt auf die Stelle, an der das Ziel vor einer Weile war, und rät, wo es gleich sein wird. Für menschliche Hände am Steuerknüppel ist das nichts. Die Feuerleitung übernehmen Computer, der Mensch entscheidet allenfalls, ob geschossen wird.
Sichtbar sind die Gegner dabei fast immer. Ein Schiff muss seine Abwärme abstrahlen, und vor dem kalten Hintergrund des Alls leuchtet es im Infrarot wie eine Laterne. Warum das so ist, steht im Artikel über das Wärmeproblem im All. Tarnung im Weltraum ist deshalb ein teurer Kurzzeittrick, Täuschung mit Ködern und Störsendern die wahrscheinlichere Antwort. Der Überraschungsangriff aus dem Nichts bleibt Kino.
Railguns, Laser, Raketen — was trägt?
In der Science-Fiction gilt die Railgun als Artillerie des Weltraums. Die Realität ist bescheidener. Die US Navy hat ab 2005 rund 500 Millionen Dollar in eine Schiffs-Railgun gesteckt, angepeilt waren bis zu Mach 7. Ende 2021 wurde das Programm auf Eis gelegt, auch weil die Läufe den Belastungen kaum standhielten. Japan ist inzwischen weiter. Die Rüstungsbehörde ATLA hat eine Railgun auf das Versuchsschiff JS Asuka montiert und im Sommer 2025 erstmals auf ein Zielschiff geschossen. In früheren Tests erreichte sie rund 2.230 Meter pro Sekunde.
Gut zwei Kilometer pro Sekunde. Die 50 Kilometer pro Sekunde mancher SF-Rechnung sind davon weit entfernt. Die Physik dahinter stimmt trotzdem. Ein Kilogramm Metall mit zehn Kilometern pro Sekunde trägt 50 Megajoule, grob die Energie von zwölf Kilogramm TNT. Einen Sprengkopf braucht so ein Geschoss nicht.
Laser haben ein anderes Problem, die Beugung. Jeder Strahl weitet sich, und zwar umso stärker, je kleiner die Optik im Verhältnis zur Wellenlänge ist. Ein Laser mit knapp fünf Zentimetern Öffnung, 1985 auf das Space Shuttle gerichtet, hatte nach 350 Kilometern schon rund neun Meter Durchmesser. Selbst ein Spiegel von einem Meter bei infrarotem Licht ergäbe auf 10.000 Kilometer einen Fleck von gut 20 Metern. Die Energie verteilt sich, der Laser wird zur Nahbereichswaffe. Gegen anfliegende Raketen womöglich ideal, gegen ein fernes Schlachtschiff eher nicht.
Bleiben die Raketen. Sie können nachsteuern, Täuschkörper aussortieren, in Schwärmen von mehreren Seiten kommen. Darum sind sie in fast jeder ernstzunehmenden Military-SF die Hauptwaffe, bei David Weber in der Honor-Harrington-Reihe ebenso wie in The Expanse. Dort wehren schnellfeuernde Nahabwehrkanonen die Torpedos ab, die schweren Railguns tragen nur einige Schiffe. Wer schon einmal überlegt hat, ob Schutzschilde gegen so etwas helfen würden, ahnt die Antwort.
Die Atombombe im All, ein reales Experiment
Eine Kernexplosion im Vakuum erzeugt keine Druckwelle, sondern einen Blitz aus Röntgen- und Gammastrahlung. Wie das wirkt, weiß man ziemlich genau, weil die USA es ausprobiert haben. Am 9. Juli 1962 zündeten sie beim Test Starfish Prime einen Sprengkopf mit 1,45 Megatonnen in rund 400 Kilometern Höhe über dem Pazifik.
Auf Oahu, knapp 1.300 Kilometer entfernt, fiel ein Teil der Straßenbeleuchtung aus, Telefonnetze brachen zusammen. Freigesetzte Elektronen sammelten sich im Magnetfeld der Erde und bildeten einen künstlichen Strahlungsgürtel. Sieben Satelliten fielen in der Folge aus, darunter Telstar 1, der erste zivile Kommunikationssatellit, gestartet einen Tag nach dem Test.
Eine solche Waffe trifft also kein einzelnes Ziel. Sie trifft alles in der Umgebung, die eigenen Satelliten eingeschlossen.
Was heute schon im Orbit passiert
Raumschlachten mit Flotten gibt es nicht. Kämpfe im und um den Weltraum gibt es durchaus. Am 31. Oktober 2023 fing eine israelische Arrow-2 eine Rakete aus dem Jemen außerhalb der Atmosphäre ab, in rund 100 Kilometern Höhe. Die Jerusalem Post sprach vom ersten Kampf im Weltraum. Am 9. November folgte der erste Einsatz der Arrow-3, die gezielt für Abfangmanöver oberhalb der Atmosphäre gebaut ist.
Satelliten abgeschossen haben bisher vier Staaten in Tests, die USA, die Sowjetunion beziehungsweise Russland, China und Indien. Nach dem Bericht der Secure World Foundation von 2025 erzeugten diese Tests 6.851 katalogisierte Trümmerteile, 2.920 davon kreisen noch. Allein der russische Test gegen den alten Satelliten Kosmos 1408 im November 2021 hinterließ über 1.500 verfolgbare Bruchstücke. Hier zeigt sich das Kessler-Syndrom als Waffe. Wer Trümmer erzeugt, sperrt eine Bahnhöhe womöglich für Jahre, für alle.
Deshalb sieht der reale Kampf um den Orbit anders aus. Im Einsatz sind nach demselben Bericht bisher nur Mittel, die nichts zerstören. GPS-Störsender, gefälschte Navigationssignale, Cyberangriffe wie der auf die Nutzerterminals des Satellitennetzes KA-SAT von Viasat zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022. Dazu kommen Satelliten, die sich anderen Satelliten auffällig nähern und tagelang in der Nähe bleiben. Russland und China führen solche Manöver regelmäßig vor.
Wer den Gegner blind macht, braucht ihn nicht zu zerschießen.
Die Weltraumschlacht der Zukunft, falls es sie je gibt, sähe deshalb vermutlich so aus. Punkte auf Bildschirmen, Rechenzeit statt Reflexe, Minuten des Wartens und dann ein Treffer, den niemand hört. Wer sehen will, was man im Weltraum wirklich sieht, wird auch dort wenig Dramatik finden. Für einen Film taugt das kaum.
Quellen
- Secure World Foundation: 2025 Global Counterspace Capabilities Report, April 2025
- Office of Space Commerce: U.S. Response to Russian Anti-Satellite Test, November 2021
- heise online: Zahlen, bitte! Wie die USA ihren Satelliten Telstar 1 bei einem Atomtest zerstörten
- Arms Control Association: Israeli Arrow System Downs First Missiles in Combat, Dezember 2023
- Military.com: The Navy Finally Pulls the Plug on the Railgun, 2.7.2021
- The War Zone: Japanese Warship Fires Railgun At Target Vessel For The First Time, 2025
- University of Illinois, Physics 214: Lecture 5, Diffraction and Resolution
