
Die Farben der Kometen gehören zu den rätselhaftesten Erscheinungen am Nachthimmel. Es ist März 1997, und du stehst auf einem Berggipfel in den Alpen. Die Luft ist kalt und klar, der Himmel so dunkel, dass die Milchstraße wie verschüttete Milch über das Firmament fließt. Dann hebst du den Blick, und da ist er. Komet Hale-Bopp, ein Besucher aus den äußersten Regionen des Sonnensystems, der zum ersten Mal seit 4.200 Jahren in Sonnennähe kommt.
Was du siehst, lässt dich nicht mehr los. Nicht ein Schweif, nicht zwei, sondern drei. Der eine leuchtet in einem elektrischen Blau, so intensiv, dass er fast künstlich wirkt. Der andere schimmert golden, breit gefächert. Und dazwischen, erst auf Fotografien sichtbar, ein dritter Schweif in warmem Orange. Der Kopf des Kometen selbst? Ein gespenstisches Smaragdgrün.
Woher kommen diese Farben? Warum ist der Schweif blau, der Kopf aber grün? Und warum reicht das Grün niemals in den Schweif hinein? Die Antworten führen uns tief in die Quantenmechanik, die Chemie des frühen Sonnensystems und die Grenzen unserer eigenen Wahrnehmung.



